„Route 66“

 

     Auf der Straße der Träume von                

        Chicago nach Los Angeles

         Ein Reisebericht von Eckhard Hillebrecht

  

Wie alles begann

 

Wahrscheinlich ging es vielen so wie mir, die einmal auf der „Main Street of America“ fahren wollten, wohl wissend, dass es sich bei diesem Trip um kein

Sonntagsvergnügen handeln würde.

Man macht sich schon seine Gedanken und ruft sich in die Erinnerung zu-

rück, was abenteuerliches über diese Strecke berichtet wurde.

 

Klar wurden mir  während der Reisevorbereitungen die Dimensionen dieses Unternehmens, nachdem ich zwei Bücher über die „Route 66“ gelesen hatte:

 

-          Streckenlänge 2448 Meilen = 3939 km (das entspricht der Entfernung von Madrid nach Moskau), die für uns in zehn Etappen geplant war.

-          Die „Route 66“ führt durch acht Bundesstaaten der USA:

Illinois – Missouri – Kansas – Oklahoma – Texas – New Mexico -

Arizona – Kalifornien.

Sie beginnt am „Jackson Boulevard“ in Chicago und endet am „Santa

Monica Boulevard“ in Santa Monica, L. A.

-          Die Reise würde auf unendlich langen geraden Straßen stattfinden, durch die Wüste, über kurvige, ungesicherte Bergpässe und mitunter

Hunderte von Meilen durch unwirtliches Land  führen.

 

Und dennoch: Die wohl berühmteste Straße der Welt wollte ich unbedingt

persönlich kennen lernen, zumal sie mich aus mehreren Gründen seit

meiner frühen Jugend verfolgte:

 

-          1963 hörte ich erstmals den Song von Bobby Troup, der in der Refrain-Zeile das besondere „Mother-Road-Feeling“ auf den Punkt

bringt: > Get your kicks on Route 66 < in der Version von den „Rolling Stones“.

Kurz darauf erschien der Song von der Gruppe „Them“ mit dem in-

zwischen legendären Sänger Van Morrison. Beide Interpreten haben  meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt und  mich noch neugie-

riger auf die „Route 66“ gemacht.

-          1969 – ich war nun bereits Inhaber des Führerscheins der Klasse 1

(dies gehörte zu meiner Ausbildung bei der Polizei) und natürlich be-

geisterter „Motorrad-Träumer“ – sah ich mir den Film „Easy Rider“ mit

Peter Fonda und Dennis Hopper in den Hauptrollen an.

Ergebnis: Der Traum, einmal so oder ähnlich durch die USA zu fah-

ren, wurde immer größer. Da war ich aber wohl nicht der einzige Träumer! 

-          Ein weiterer Mosaikstein war der Roman des Literatur-Nobel-Preisträ-

gers John Steinbeck >Grapes of wrath< „Früchte des Zorns“, in dem er

mit der Geschichte der Farmerfamilie Joad aus Oklahoma auch der

Route 66 ein literarisches Denkmal setzte, der „Mother Road“.

 

Wie das im Leben so ist, alles blieben über viele Jahre Träume, die irgend-

wie im Hinterkopf saßen, aber gleichwohl sehr weit entfernt waren.

 

Als es dann doch so weit war und ich die Chance bekam, die „Hauptstraße

Amerikas“ zu erleben, nahm ich das zunächst ziemlich nüchtern zur Kennt-

nis und entschloss mich erst nach einigem Nachdenken und „Beratungsge-

sprächen“ zur Teilnahme.

 

Ein Entschluss, den ich nie bereuen werde, wie vielleicht dem folgenden

Reisebericht, geprägt durch die Erlebnisse mit der sehr gut harmonisieren-

den Gruppe und meinen persönlichen Wahrnehmungen, zu entnehmen ist.

  

 

 

Die Reise

 

 

Dienstag, 30.04.2002               Anreisetag

 

Um 06.15 Uhr begann das Abenteuer mit der Abfahrt in Goslar-Hahndorf

zum Flughafen Hannover-Langenhagen.

Hier war die Gruppe dann komplett und um 10.45 Uhr starteten wir mit

einem Zubringer-Flugzeug zum Flughafen Paris „Charles de Gaulle“.

Von dort ging es nach einer Stunde Aufenthalt über den „großen Teich“

Richtung Chicago.

„Windy City“ erreichten wir um 15.20 Uhr (OZ).

Nach der Landung auf dem Flughafen Chicago-O’Hare, dem größten Flug-

hafen der Welt, und der Erledigung der Formalitäten durch die Einwande-

rungsbehörde, ging es mit dem Mietwagen und einem Taxi zu unserem

Motel, dem „Best Western Grant Park Hotel“, in der „1100 South Michigan

Avenue“ (auch über diese Straße gibt es einen Rolling Stones-Song!).

Nachdem wir uns nach der doch schon recht langen Reise etwas frisch ge-

macht hatten, ging es zu Fuß in die „Down Town“.

Bevor wir die „Skyline“ von Chicago bei Nacht bewundern konnten, war zu-  nächst eine Stärkung angesagt, denn der Magen meldete sich bereits durch

ein deutliches Knurren.

Unsere Wahl fiel auf das „Berghoff Restaurant“ direkt an der „Route 66“ im

Herzen von Down-Town.

Der deutsche Ursprung dieses Restaurants lässt sich nicht nur wegen des

Namens und seiner Einrichtung leugnen, auch die Speisekarte las sich teil-

weise deutsch (z. B. „Schlachtplatte“ - das „e“ habe ich nicht vergessen!).

Ich entschied mich für gegrillte Rippchen, wobei die Zugaben zu diesem Ge-

richt „Pommes Frites und Spinat“ nicht unbedingt deutschen Ursprungs waren. Gut geschmeckt hat es aber trotzdem!

Dafür gab es hier dann das beste Bier, das wir während unserer Tour ge-

trunken haben: Ein leckeres Dunkles vom Fass! 

Für weitere Unternehmungen war es dann doch zu spät. Der lange Tag in

Verbindung mit dem guten Essen und den Bierchen zeigte seine Wirkung,

so dass wir auf direktem Weg unser Hotel aufgesuchten, um erst ein-

mal auszuschlafen.

 

 

 

Mittwoch, 01.05.2002        Aufenthalt in Chicago

 

Durch die Zeitumstellung hatte ich eine sehr unruhige Nacht, von Aus-

schlafen konnte nicht die Rede sein.

Ich entschloss mich daher zu einem Morgenlauf, um die Müdigkeit aus den

Beinen zu bekommen.

Meine Laufstrecke führte durch den „Grantpark“ zum „Buckingham Foun-

tain“, einer Springbrunnenanlage, die doppelt so groß ist, wie sein französi-

sches Vorbild in Versailles. Zur Uferpromenade am Michigansee, weiter auf

der Promenade zum „Shedd Aquarium“, „Adler Planetarium“, durch den

„Northerly Island Park“ und dann zurück.

Überrascht war ich von der Vielzahl von Läufern/innen zu dieser doch recht

frühen Zeit, man ist eben in den USA.

Vom „Adler Planetarium“ hat man einen fantastischen Ausblick auf die Skyline von Chicago!

Für diesen Tag war die Erkundung von Chicago geplant, zumindest die

von „Down Town“.

 

Chicago! Mit dieser Stadt sind viele Assoziationen verbunden:

 

-          „Stadt der Schweine“ (Porcopolis), bedingt durch die riesigen Schlacht-

höfe, die 1870 gegründet und von denen 1971 der letzte geschlossen wurde.

-          „Stadt mit den breiten Schultern“ aufgrund seiner zahlreichen Wolken-

kratzer. Bereits 1885 wurde hier der Welt erster „Skyscraper“ mit

Stahlgerüst hochgezogen. Die Erfindung „Wolkenkratzer“ wurde aus 

der Not geboren: 1871 wütete ein verheerendes Feuer in Chicago. 

17 000 Holzhäuser wurden vernichtet, 90 000 Menschen wurden ob- dachlos. Mit  dem Wiederaufbau wurde Chicago zu einem Architektur-

museum unter freiem Himmel.

-          Chicago und Al Capone. Die Karriere des Gangsters begann in den

zwanziger Jahren zu Zeiten der Prohibition durch den illegalen Ver- kauf von Spirituosen.

-          Chicago und der Jazz. Als das Musikviertel „Storyville“ in New Orleans

geschlossen wurde, wurden viele der hervorragenden schwarzen Jazzmusiker arbeitslos. Sie wanderten in den Norden ab, vor allem 

nach Chicago. Musiker wie King Oliver, Louis Amstrong und Bix Bei-

derbecke waren darunter, es entwickelte sich der „Chicago-Stil“.

-          Chicago, Jackson Boulevard: Hier beginnt die „Route 66“. Sie ist ver-

bunden mit Cy Avery, dem Erfinder dieser Straße und dem Mitbegrün-

der der „Highway 66-Association“.

 

Also machten wir uns auf den Weg nach Down Town.

Zunächst war jedoch ein anständiges Frühstück angesagt.. Dies konnte nur

in „Lou Mitchell’s Restaurant“ am 565 W. Jackson Boulevard sein, wo jeder 

stilbewusste Reisende seine Fahrt über die Route 66 beginnt. Hier kann  man seit 1923 von 05.30 Uhr am Morgen bis 15.00 Uhr nachmittags früh- stücken.

Die Auswahl ließ keinen Wunsch offen. Ich habe mich an einem Glas Oran-

gensaft, Rührei mit Schinken, Toast mit Ahornsirup, Eis und einer ordent-

lichen Portion Kaffee gelabt.

Dann ging es zu Fuß weiter.

Unser erstes Ziel war eine U-Bahn-Station in der Nähe des „Sears Towers“.

Hier wurde gerade die Ausstellung „Faces from ground zero“ gezeigt, einer

Darstellung der Ereignisse vom 11. September 2001 anhand von Bildtafeln

einzelner Personen, die den Anschlag auf das „World Trate Centrum“ in New

York überlebt hatten oder aber zu Tode kamen.

Interessant für mich, dass ich über diesen Personenkreis in einer SPIEGEL-

Serie im Spätherbst 2001 gelesen hatte.

Der „Sears Tower“ war unser nächstes Ziel. Dieser Wolkenkratzer war 22

Jahre lang mit 443 m Höhe und 110 Stockwerken das höchste Bauwerk der Welt, ehe es 1996 von den Zwillingstürmen in Kuala Lumpur um sechs

Meter übertroffen wurde.

In knapp 70 Sekunden erreichten wir mit einem Expressfahrstuhl das Sky-

deck im 103. Stock, von wo aus wir einen fantastischen Ausblick auf die

Stadt und den Lake Michigan hatten.

Ehe wir die Stadt in nördlicher Richtung weiter erkundeten, wurden zu-

zunächst am Startpunkt der Route 66 in der „Adam Street“ unter der dor- tigen Gedenktafel einige Erinnerungsfotos geschossen.

Weiter ging es auf der North Michigan Avenue über den Chicago River zur

„Magnificent Mile“. Hier wurde nach dem Vorbild der Kathedrale von Sevilla

das „Wrigley Building“ errichtet. Dies ist das Hauptquartier des Kaugummi-

Imperiums „Wrigley’s“. Gegenüber befindet sich der „Chicago Tribune-Tower“

der Verwaltungsbau der angeblich größten Zeitung der Welt. Auch dieses

1925 vollendete Gebäude wurde an einem europäischen Vorbild orientiert, dem „Butterturm“ der Kathedrale von Rouen.

In das Sockelgeschoss dieses Verwaltungsturmes ließen die Verantwort-

lichen u.a. Teile (Steine) der Burg Ehrenbreitstein, des Louvre, des Kölner

Domes der Chinesischen sowie der Berliner Mauer und weiterer berühmter Gebäude der Welt einarbeiten.

Vorbei an der „St. James Cathedral“ und am „Watertower“, dem einzigen Überbleibsel der großen Brandkatastrophe von 1871, ging es zum „John

Hancock Center“, wo eine Kaffeepause eingelegt wurde.

Nicht unterschlagen möchte ich ein weiteres Highlight unseres Stadtrund-

ganges: Erster Besuch eines „Harley Davidson-Ladens“, dem sich später zahlreiche weitere anschlossen mit allem, was ein Harley-Fahrer unbedingt

benötigt – oder auch nicht. Es gab jedenfalls alles, was das Harley-Herz be-

gehrte.

Nach unserer kleinen Pause setzten wir unseren Erkundungsmarsch fort und erreichten den „Navy Pier“. Hier war früher einer der größten Binnen-

häfen der Welt. Vor und während des 2. Weltkrieges diente die Landzunge der US-Navy als Ausbildungsstätte. Insbesondere Kampffliegerpiloten der

US-Flugzeugträgerflotte mussten auf dem schmalen Landstreifen ihre Start-

und Lanmdeübungen absolvieren. 

Zwischenzeitlich ist an dieser Stelle ein Freizeitpark entstanden.

 

Während unseres Rundganges durch die riesige Markthalle fiel uns ein klei-

ner Laden auf, in dem – für uns unglaublich – ganzjährig Weihnachtsartikel

zum Verkauf angeboten werden. Und das auch mit der entsprechenden Musik – „Jingle Bells“ erklang im Wonnemonat Mai!

Dann erwischten wir auch noch zwei Kollegen der „Chicago Police“, die als

Radstreife auf Moutainbikes von „Mercedes-Benz“ unterwegs waren.

Nach kurzem Smalltalk wurden dann Ärmelabzeichen, die sog. „Patches“

ausgetauscht, wobei die Abzeichen der Chicagoer Kollegen mit dem Messer

eines Multi-Tools abgetrennt wurden!

Auf dem Rückweg zum „South Loop“, wo unser Hotel lag, merkten wir dann

doch schon die Strapazen des Tages, zumal Windy City“, die Stadt der Winde, uns auch den Beweis erbrachte, diesem Namen alle Ehre zu machen:

Es war bedeckt und kühl, wenn die Sonne sich mal blicken ließ, war es an-

genehm warm, zwischendurch immer wieder starker Wind, der sich am frü-

hen Abend zum Sturm mit Regen entwickelte.  

Den Abschluss dieses doch anstrengenden Tages rundete ein Besuch im

„Hard Rock Cafe“ ab (den ich für mich allerdings ausfallen ließ, ich war ein-

fach zu müde).

 

 

Donnerstag, 02.05.2002           Von Chicago nach Springfield, IL 

   

Nachdem ich eine weitere Nacht nicht sonderlich gut geschlafen hatte,

unternahm ich am frühen Morgen nochmals einen Lauf zum Lake Michigan

auf der mir nun schon bekannten Runde.

Anschließend wurden die Koffer gepackt und es ging mit dem Leihwagen 

und einem Taxi durch Chicago nach Berwyn, einen Vorort, wo die Motor- räder für uns bereit standen.

Während der Fahrt gewannen wir noch einige Eindrücke der größten Stadt in Illinois. Was uns aber überraschte war ein ALDI-Laden, wir konnten uns

also wie zu Hause fühlen.

In Berwyn angekommen, gingen wir vor der Übergabe  / Übernahme der „Harleys“ bei „Eaglerrider“ selbstverständlich  erst einmal frühstücken.

Die Auswahl war nicht so groß wie bei „Lou Mitchells“, es war halt nur „Mc

Donald’s“, doch der Hunger obsiegte.

Die Übergabe zog sich länger hin als erwartet. Die Aktion war auch sehr

schlecht vorbereitet. Mit uns übernahmen noch eine Gruppe von acht Nor-

wegern und  zwei Ehepaare aus dem schwäbischen Raum ihre Maschinen,

womit die Verleiher dann so ihre Probleme hatten.

Langweilig wurde es dennoch nicht, denn zu der Harley-Vertretung gehörte

ein Harley-Shop. Angeschlossen war die Vertretung der sportlichen “Harleys“

„Buell“, u. a. mit einer umfangreichen Ausstellung von Oldtimern.

Um 12.15 Uhr war es dann endlich soweit, die Reise konnte beginnen!

Dieter und ich hatten bei der Verteilung der Maschinen besonderes Glück:

Eine perlmuttfarbene Harley-Davidson „Road King“ mit schwarzen Leder-

taschen, Weißwandreifen und Speichenrädern. Die Maschine war mit einem

Twin Cam88-Motor (Einspritzer, 1449 ccm und 67 PS) bestückt und hatte bei der Übernahme einen Meilenstand von „fünf“.

Die erste Tagesetappe ging durch landschaftlich reizvolle Gebiete von Illinois und typische Ortschaften dieser Region.

Unvergesslich die Fahrt durch das kleine Wäldchen mit den ahornsirup-

spendenden Bäumen nach Funks Grove, ein Original an der Route 66.

Leider fanden wir keine Gelegenheit, den leckeren Saft zu kaufen.

Eine Pause legten wir bei einem weiteren Muss an der Route ein, dem „Dixi

Trucker Home“ in McLean. Diese Raststätte ist ein Pflichtstopp für alle Roa-

dies, sie ist seit1928 ununterbrochen geöffnet. Lediglich 1965 war sie nach einem Brand für einen Tag geschlossen.

In Springfield angekommen ließen wir den Tag mit einem vorzüglichen Essen

in einem sehr guten Restaurant ausklingen. 

  

 

Freitag, 03.05.2002                  Von Springfield nach Labanon, MO

 

Im Best Western „ Clearlake Plaza” gab es ein akzeptabeles  Frühstück, so dass wir nicht mit leerem Magen starten mussten. Unser erstes Ziel während

der Fahrt war das „Old State Capitol“ in Springfield, dem Regierungssitz des

Staates Illinois, um einige Fotos zu schießen.

Was wir wiederholt feststellten, war die Aufgeschlossenheit der Menschen.

Selbst bei einem Ampelstop in einem Vorort von Springfield wurden wir an-

gesprochen und nach unserem Reiseziel gefragt. Wenn die Menschen hörten,

dass wir die „Route 66“ mit dem Motorrad fahren wollten, totale Begeiste-

rung und Achtung vor dem, was wir vorhatten.

Unsere Fahrt führte uns durch hügelige und sattgrüne Landschaften in  Richtung Missouri. Wir durchfuhren viele kleine bis mittlere Städte, wie sie

hier typisch sind: Kleine Backsteinhäuser mit gepflegten Vorgärten.

Das Motorradfahren durch diese teilweise wunderschönen Landschaften

macht riesigen Spaß, zumal wir klares und sonniges Wetter hatten.

Bei Mitchel überquerten wir den Mississippi in der Nähe der „Chain of Rocks Bridge“ (1927 erbaut und mit einem Knick in der Mitte). Die Brücke wurde

auch bekannt als Kulisse für John Carpenders Film „Die Klapperschlange“.

Faszinierend war das Durchfahren der Vororte von St. Louis mit seiner

durchweg schwarzen Bevölkerung.

Schöne und gepflegte Häuser bzw. Vorgärten wechselten ab mit verwahr-

losten Anwesen und ausgebrannten Häusern.

Was sehr anstrengend war - bedingt auch durch die Mittagshitze - : Alle 50 –

100 m „STOP“ von allen vier Seiten, der Verkehr steht zunächst. Es fährt dann der, der am längsten gewartet hat. Und das klappt einwandfrei!

Leider hatten wir für St. Louis, der Stadt am Zusammenfluss von Mississippi

und Missouri zum mächtigen „Ol’ Man River“, dem drittlängsten Fluß der Erde, nicht viel Zeit.

Den „Gateway Arch“, den knapp 200 m hohen Torbogen, der die Funktion

St Louis’ als „Tor zum Westen“ symbolisiert und im Vorbeifahren die welt-   

größte Brauerei, die „Anheuser-Busch Company“, haben wir besichtigt bzw. gesehen.

Bei der Ausfahrt vom Parkplatz am „Gateway Arch“ haben wir die beiden Ehepaare aus Schwaben wieder getroffen!

Die weitere Fahrt durch die Wälder des Ozark Country führte uns nach

„Devil’s Elbow“, einer schönen alten Brücke, die 1923 gebaut wurde, über den Big Piney River, auf der alten Strecke der „Route 66“.

Hier wollten wir Fotos von unserer Gruppe beim Überqueren dieser sehens-

werten Brücke schießen.

Leider gelang uns dies nicht mit der gesamten Gruppe, da die Harley von

Frank nicht anspringen wollte. Sie zeigte trotz aller Bemühungen keinerlei Regung.

Dieses Malheur passierte direkt vor dem Rockertreff von Elbow, dem „Devil’s

Inn“, so dass die Panne auch nicht lange unentdeckt blieb.

Aber die Jungs waren echte Biker. Sofort war die Maschine umringt und es

begann die gemeinsame Fehlersuche, jeder hatte einen Tip.

Nach einigem Suchen und Austesten war der Fehler dann gefunden:

Kontaktproblem am Startrelais!

Nach der Fehlerbeseitigung gab es erst einmal eine Runde Bier für alle An-

wesenden. Als Gastgeschenk von uns ein Ärmelabzeichen der Polizei Nieder- sachsen.

Dieses wurde sofort über der Theke befestigt und hat dort seinen Ehren-

platz neben weiteren Trophäen.

Apropos Trophäen: Die Decke der Rocker-Kneipe hing voller BH in allen

Formen und Farben, von Cup A – D!

Zum Abschied gab es auf Bitte des „Präsidenten“ der Rocker von Elbow ein

weiteres Ärmelabzeichen der Polizei. Dies wollte er sich auf seine „Kutte“

nähen. Wer ihn in Zukunft einmal treffen sollte, der weiß nun, warum und

wieso er ein Abzeichen der Polizei Niedersachsen auf seiner Kutte trägt!

Durch diesen nicht eingeplanten Aufenthalt kamen wir mit unserem Zeit-

plan in Verzug, so dass wir erst gegen 21.15 Uhr in Lebanon, unserem Etap-

penziel, ankamen.

Da die Zeit nun knapp war, gingen wir in einen Truckertreff zum Essen.

War das Essen am Vorabend ein kulinarischer Höhepunkt unserer Reise, so

war dies der entsprechende Tiefpunkt!

 

 

Sonnabend, 04.05.2002              Von Lebanon nach Oklahoma-City, OK

 

Im Best Western „Wyota Inn“ wurden wir mit einem guten Frühstück für das

nicht so gelungene Abendessen belohnt.

Danach erfolgte der Start zur der längsten und anstrengendsten Etappe

über 650 km nach Oklahoma-City.

In Missouri sind die Straßen auch schon endlos lang, die Landschaft ist aber

noch hügelig und es geht „auf und ab“.

Am Wegesrand immer wieder Pferde-Ranches und alte Brücken. Viele Ort-

schaften und die Gehöfte machen einen ungepflegten Zustand. Verfallene

Häuser und verwilderte Gärten stören offensichtlich niemanden.

In Halltown statteten wir der „Whitehall Mercantile“ – einem Antiquitäten-

laden auf dem Land – einen Besuch ab.

Dieses Haus war genauso alt wie die Antiquitäten, die verkauft werden sollten, und in dem gleichen Zustand.

Weiter ging es Richtung „Dreiländereck“ Missouri / Kansas / Oklahoma

über Carterville nach Joplin, eine alte Minenstadt.

Nach einem Fotostop an den „Betenden Händen“ fuhren wir den örtlichen

Wall-Mart zu einer Mittagspause an.

Hier fielen mir drei Dinge besonders auf: Die unübersichtlichen hohen Re- gale mit einer uns so nicht bekannten Auswahl (u. a. auch Schusswaffen),

die vielen wirklich dicken Menschen und die Tatsache, dass eine nicht uner-

hebliche Anzahl von alten Menschen – ich schätzte sie Mitte siebzig – noch 

gezwungen ist, zu arbeiten.

Nach kurzer Weiterfahrt erreichten wir dann die Ortschaft Galena und den

Bundesstaat Kansas, der von der „Route 66“ nur knapp 14 Meilen betroffen

ist.

In Riverton besuchten wir noch kurz die „Kansas Historic Route 66 Associ-

ation“ in ihrem Hauptquartier, dem unübersehbaren Eisler-Brothers-Ge-

bäude.

Dass wir nach schon kurzer Zeit in Oklahoma waren, merkten wir an der

hier einzigartigen roten Erde. Auf einer Schotterpiste, die mit der roten Erde

vermischt war, wurden wir von rotem Staub eingehüllt, der sich überall ab-

setzte.

Auf der Tour „über Land“ konnte man für diese Gegend eine gewisse Ent- legenheit, ja fast schon Rückständigkeit, feststellen.

Während der Fahrt durch diese Region musste ich daran denken, wie müh-

sam es für die „Okies“ vor über 70 Jahren gewesen sein muss, die sich be- 

dingt durch die Weltwirtschaftskrise und einer zwei Jahre anhaltenden Dür- 

rekatastrophe, mit ihren klapprigen, vollbepackten Gefährten auf den Weg

ins vermeintlich gelobte Land Kalifornien machten.

Hier angekommen, mussten sie erleben, dass sie in dem reichen und von

der Natur begünstigtem Staat wie einfallende Heuschrecken betrachtet wur-

den und auf große Abneigung stießen.

Ein typisches Okie-Schicksal erlebte auch Woody Guthrie, die amerikani-

sche Folklegende. Guthrie, Folksänger und Liederdichter, Vagabund und

Vorkämpfer für die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, musste sich mit

unzähligen Jobs aller Art durch das Leben schlagen, ehe er von seiner Musik

(er soll über 1000 Songs geschrieben haben, sein bekanntestes Lied „This land is your land“ kennt wohl jeder)) leben konnte.

Als nächste größere Stadt lag Tulsa, die einstige „Welt-Öl-Hauptstadt“, an

der Strecke. Da dies auch die langweiligste Stadt in Oklahoma sein soll,

ließen wir sie links liegen.

Auch an diesem Reisetag war die Zeit wieder fortgeschritten  und wir mussten uns beeilen, noch vor Anbruch der Dunkelheit Oklahoma-City zu

erreichen. Aus diesem Grund konnten wir auch leider einige Sehenswürdig-

keiten an der „Route 66“ nicht mehr anfahren.

Obwohl wir bereits nur die Interstate befuhren, gelang uns dies nicht.  

Wir kamen in der Dunkelheit in der Hauptstadt des Staates Oklahoma an.

Die Suche nach dem Hotel und die Fahrt bei Dunkelheit in einer fremden

Großstadt verlangte von allen höchste Konzentration.

Leider hatten wir das falsche Hotel der Kette „Best Western“ angefahren.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit – es war bereits 21.30 Uhr – konnten

wir aber bleiben und übernachten, da mit einem kurzen Telefonat das Pro-

blem aus der Welt geschafft wurde.

Nach dem langen und anstrengenden Tag hatten wir uns dann entschlossen,

kein Lokal mehr aufzusuchen. Dirk ist mit dem Begleitfahrzeug losgefahren

und hat eine Tüte „Hamburger“ und zwei Träger Bier geholt.

Die haben wir im Innenhof des Hotels – es war in Oklahoma-City deutlich

wärmer als an den Vorabenden – verzehrt.

Es wurde dann noch ein recht lustiger Abend. Besonders Franz leistete einen netten Beitrag: Im Herbst 2001 hatte er sich von einem Bekannten

eine Harley „Road King“ gekauft. Der entsprechende Führerschein fehlte

zwar noch, dies wurde nach seinen Angaben im Laufe der nächsten Wochen

nachgeholt. Bis zum Start unserer Tour quer durch die USA hat er noch

fleißeig auf seiner Harley trainiert, 200 km waren es am Ende, das musste reichen. Hut ab vor so viel Mut, oder war es vielleicht Wagemut?

 

 

 

 

Sonntag, 05.05.2002               Von Oklahoma-City nach Amarillo, TX    

 

Nachdem wir uns in einem der typischen Frühstückscafes gestärkt hatten,

stand vor dem „Is this the way to Amarillo“ (wer kennt nicht diesen Song über die Richtung der Straße von Tony Christie), ein Besuch der „National

Cowboy Hall of Fame“ auf dem Programm.

In dieser sehenswerten Ausstellung wollte man den „Cowboy“ ehren, der für

die Entwicklung des Bundesstaates Oklahoma unverzichtbar war.

Herausgekommen ist eine umfassende klassische Sammlung über die Ge-

schichte des „wilden Westens“ und seiner Eroberung:

-          Eine typische Kleinstadt im 19. Jahrhundert, der „Properity Junction“

-          Western-Kunst aller Bevölkerungsgruppen und Stilrichtungen

-          Spielfilme und ihre Stars im typischen „Western“

-          Reitsättel und ihre Funktionen; Brandzeichen der Viehzüchter

-          Waffensammlungen - hier beeindruckte mich ein 6schüssiges Revol-

vergewehr im Kaliber .75 (Kal. .38 entspricht 9 mm, ergibt einen Ge- schossdurchmesser von 17 mm !).

-          Eine Sammlung von Stacheldraht (nach der Grenzöffnung 1989 las

ich in einer Zeitung, dass amerikanische „Stacheldraht-Sammler“ un-

bedingt Teile des Zaunes der innendeutschen Grenze haben wollten.

Frei nach Asterix und Obelix dachte ich „die spinnen, die Amis“.

Als ich jedoch diese Sammlung sah, wurde mir auch dieses klar:

In diesem Raum waren rechts und links jeweils 50 Ausziehfächer an-

gebracht, jedes einzelne Fach beinhaltete 15 unterschiedliche Draht-

sorten. Somit konnte man 1500 Stacheldrahtarten bewundern!)

-          Viele weitere Darstellungen und Szenen aus der Pionierzeit im 19.

Jahrhundert.

Leider war für uns die Besuchszeit in der „Cowboy Hall of Fame“ wiederum

begrenzt, da die folgende Tagesetappe immerhin 420 km umfasste.  

In einem der Vororte von Oklahoma-City spielte uns dann das Wetter einen

kleinen Streich: Es begann stark zu regnen, wir mussten kurz anhalten und

die Regenkleidung überziehen.

Nach 45 Min. war der Spuk vorüber, nun ergab sich eine andere Schwierig-

keit. Jetzt waren Pfadfinderqualitäten gefragt. Wir erlebten ein Stück der „Route 66“, auf dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien. Zwischen Wie-

sen, Äckern und auf einer Art landwirtschaftlicher Wege mussten Dirk und

Rainer den Weg finden, ohne Hinweisschilder auf den Verlauf unserer Tour.

Auch dies wurde gemeistert und wir erreichten ein weiteres Foto-Highlight.

Zwischen Geary und Bridgeport eine Brücke mit 38 riesigen Stahlbögen, die den Canadian River überspannt.

Wer nun im Verlauf dieser Etappe unterwegs aufpasste – sofern das beim Motorradfahren überhaupt möglich war - , konnte Hinweisschilder auf

Schlachten des Sezessionskrieges entdecken.

Kurz hinter der Ortschaft Texola erreichten wir den Bundesstaat Texas, den

größten der USA.

Bei einem Tankstop in McLean wurden wir von den Einheimischen vor

einem Tornado gewarnt. Man riet uns, nicht weiter zu fahren.

Mit der Gewissheit, „einen deutschen Motorradfahrer kann nichts erschüt-

tern“, setzten wir trotz ausdrücklicher Warnungen die Fahrt fort.

An diesem Entschluss begannen wir unterwegs dann doch zu zweifeln:

Im Radio ununterbrochen Warnungen und Berichte über den Verlauf des

Tornados! Uns folgte von hinten und links eine riesige schwarze Wolken-

wand, es setzte ein schwerer Regenschauer ein. Aber wir hatten Glück: Der

Tornado drehte ab, der Regen ließ´nach, wir erreichten Amarillo bei Sonnen- schein.   

Am nächsten Morgen wurde uns die Gefährlichkeit von Tornados deutlicher:

In einem Zeitungsbericht lasen wir vom Tod zweier Menschen in Happy, wo

der Tornado u. a. am stärksten wütete.

 

 

 

Montag, 06.05.2002                 Von Amarillo nach Santa Fe, NM

 

Die Fahrt führt uns mal gerade 200 Meilen durch den äußersten Norden von Texas, den „Panhandle“ (Pfannenstiel – ein Blick auf die Landkarte erklärt

den Spitznamen).

Das Land wird weiter, erscheint endlos dürr und trostlos. Die Besiedlung wird immer dünner, um uns herum nur noch die Prärie.

Auf unserer 5. Etappe bietet Texas im Verlauf der „Route 66“ allerdings noch zwei Örtlichkeiten, an denen ein Halt unbedingt sein muss:

-          Die Cadillac-Ranch:  In einer sonnenverbrannten Graslandschaft

sehen auf einer grauen Wiese eine Reihe von Cadillacs, die mit ihren

Hecks wie pickende Hühner in den Himmel ragen. Die Autos stehen 

auf diesem besonderen Autofriedhof in chronologischer Ordnung der Baujahre 1949 bis 1963.

Selbst Bruce Springsteen hat diesen Anblick für würdig befunden und

hat den Song „Cadillac-Ranch“ geschrieben.

Der Cadillac war der amerikanische Traum in den 40ern und 50ern

Jahren; er war das Auto schlechthin.

Mit dem Phänomen Cadillac befassten sich noch weitere amerikani-

sche Unterhaltungskünstler, insbesondere mit dem „Pink Cadillac“.

Ein Film mit diesem Namen wurde mit Clint Eastwood gedreht, den

Titelsong sang Natalie Cool, Tochter des berühmten Nat King Cole.

Hier trafen wir eine deutsche Urlauberin aus Darmstadt, die mit ihrer

amerikanischen Freundin eine Reise durch die USA machte.

-          Midpoint – Zwischen Vega und Adrian haben wir die Hälfte der Strecke

geschafft. An der linken Straßenseite „Route 66 Antiques“, einer inte-

ressanten Mischung aus Restaurant, Museum und Geschäft. Gegen-

über das eigentliche Fotoobjekt eines jeden Route-Reisenden, die

„Midpoint-Tafel“ mit den Entfernungsangaben nach Chicago und L.A.

 

Die Ortschaft Glenrio ist verbunden mit dem Erreichen des US-Staates New

Mexico, dem „Land of enchantment“ (das bezaubernde Land), wie es auf al- len Kfz.-Kennzeichen steht.

Wir müssen uns nun an die endlosen Weiten, die sich in Texas bereits an-

kündigten, gewöhnen. Hunderte von Meilen werden wir durch eine Gegend

fahren, für die der Amerikaner den Ausdruck „in the middle of nowhere“

(Mitten im Nichts) erfunden hat.

Aber in diesem vermeintlichen Niemandsland schärfen sich mit der Zeit die

Sinne für die wahre Schönheit New Mexicos.

Besonders beeindruckend ist die faszinierende sattblaue Himmelsfarbe und

die Berge im Hintergrund. Ein Bild, das den Eindruck erweckt, man stehe 

vor einer überdimensionalen Postkarte (Western-Fans kennen diese Bilder

aus vielen Filmen).   

Diese Bilder waren gegenwärtig bei unserer Fahrt durch den „Santa Fe Nati-

onal Park“. Auf diesem Teilabschnitt hatten wir etliche Meilen freie Fahrt, 

d. h. wir mussten nicht in der Gruppe bleiben. Die durch den Park führende

Straße war rechts und links zum Schutz der Tiere bzw. Kraftfahrer einge-

zäunt. Trotz dieses Schutzes entdeckte ich plötzlich eine Hirschkuh am 

Straßenrand, die verzweifelt auf und ab lief, um wieder über den Zaun zu gelangen. Der Schreck war nicht schlecht!

Nach einer Pause in Las Vegas, NM, durchfuhren wir teilweise den „Pecos

Historical National Park“. Hier war am Horizont eine riesige Rauchwolke zu

erkennen: „Crossfire“ - Waldbrand - ! An den Anschlussstellen der Interstate

wurden Feuerwehrkräfte zusammengezogen, das erste Brandbekämpfungs-

flugzeug flog die Brandstelle an. Noch am Morgen des folgenden Tages konn-

ten wir derartige Flugzeuge mit Flugrichtung des Brandherdes sehen. Das

war schon ein großer Waldbrand, wie es auch den Zeitungen am nächsten

Morgen stand.

Nachdem wir unser Hotel in Santa Fe bezogen hatten, suchten wir ein

Steakhouse auf, um einmal wieder „anständig“ zu essen. Die Fleischgerichte  waren hervorragend, ein wahrer Genuss!

Nach dem Essen war für mich der „Tag gelaufen“, obwohl es erst früher Abend war. Der unruhige und schlechte Schlaf in den letzten Nächten, die

Anstrengungen der Motorradfahrt und die dadurch auftretenden Rücken-

schmerzen hatten mich geschafft. Da war das Bett meine Rettung. Nach

elf Stunden Schlaf war ich am nächsten Morgen zum Glück wieder topfit.

 

 

Dienstag, 07.05.2002                   Von Santa Fe nach Gallup, NM

 

Nach einem guten Frühstück im Hotel konnten wir nach dem Etappenstart

noch einige Eindrücke von Santa Fe, der Hauptstadt von NM, am Fuße des „Sangre des Christo-Gebirges“ gelegen, gewinnen.

Der besondere Charme dieser Stadt hat sich über die letzten 40 Jahre da- durch erhalten, dass alle Bauten im Pueblo-Stil ausgeführt werden müssen.

Es gibt keine Hochhäuser, der einzige Stilbruch ist die neugotische Kathe-

drale St. Francis.

Die Stadt, die in mindestens drei von vier Western-Filmen auftaucht, ist

eine der ältesten Städte der USA.

In Santa Fe gabt es auch einen „Harley-Shop“, den wir selbstverständlich

aufsuchten. Hier konnten wir die jüngste Kreation von Harley-Davidson be-

wundern, die VRSC. Von dem Motorrad wird behauptet, dass die Amerikaner

eines ihrer Nationalheiligtümer geschlachtet hätten. Nach 50 Jahren näm-

lich hat Harly-Davidson ein vollständig neues Motorrad auf den Markt ge-

bracht. Bei der Entwicklung der „Revolution“ VRSV hat das Haus Porsche

mitgewirkt. Die Kooperation Harley-Davidson / Porsche besteht seit 1997! 

Unsere Reise führte uns weiter nach Albuquerque, der größten Stadt in

New Mexico. Albuquerque war von Anfang an eine wichtige Station für die

Reisenden auf der „Route 66“. Auch heute noch führt die Route auf der

Central Road mitten durch die Stadt.

Bei einem Tankstop in einem der Vororte der Stadt, erlebten wir eine Kon-

fliktlösung „Made in NM“:

Ein Pkw-Fahrer bremste abrupt, der folgende Fahrer fuhr fast auf den

stehenden Vordermann auf. Der ausgebremste Fahrer riss seine Tür auf,

fluchte fürchterlich und schleuderte eine gefüllte Getränkeflasche gegen

die Heckscheibe des vor ihm stehenden Pkw. Dann stieg er wieder ein und

fuhr weiter. Alles okay!?

Unser nächstes Ziel war die nur wenige Km entfernte Ortschaft Los Padillias mit „Isleta Pueblo“.

Isleta Pueblo mit seiner beeindruckenden Missionskirche ist einer der ältes- ten Pueblos der USA.

Diese Region ist uraltes Siedlungsgebiet. Ausgrabungsfunde in den in der

Nähe liegenden Sandia-Bergen beweisen, dass hier bereits vor 10 000 Jah- ren Menschen lebten.

Nach der Überquerung des „Rio Grande“ erlebten wir auf der nun folgenden Fahrt lange, gerade Strecken mit leichten Kurven, ab und an kleine Hügel.

Meilenweit keine Ansiedlungen, hin und wieder ein paar Häuser, manche

nennen sich „Farm“.

Als wir uns kurz verfahren hatten, landeten wir in einem typischen Dorf die-

ser Region: Kleine Häuser, Schotterstraße und am Ende: Sackgasse!

Menschen ließen sich nicht blicken, lediglich ein kleiner Junge winkte uns

begeistert zu.

Selbst für die sonst aufgeregten Hunde waren wir uninteressant. Sie würdig-

ten uns keines Blickes, bellten auch nicht, sie lagen nur träge im Schatten

der Mittagshitze.

Am Nachmittag dann eine ganz andere Landschaft, die einfach wunderschön

ist. Wir befanden uns in der „Navajo Reservation“.

Wir haben etliche Höhenmeter bewältigt und erleben neben der Straße Wäl-

der und ringsherum Berge.

Am „El Moro Monument“ machten wir einen weiteren Fotostop. Leider konn-

ten wir dieses gewaltige Naturdenkmal nicht von innen besichtigen, da die

Einlasszeit verstrichen war.

Schade, die teilweise über 1000 Jahre alten Petroglyphen und die weiteren

in Stein geritzten / gemeißelten Inschriften aus den folgenden Jahrhun- 

derten seit der Entdeckung Amerikas konnten wir uns nicht ansehen.

Unser Etappenziel Gallup, einem alten Eisenbahnknotenpunkt, bot uns zum

Abendessen einen kulinarischen Genuss: Mexikanisches Essen – sehr scharf

und pikant, einfach ganz lecker. Leider gab es in diesem Lokal kein Bier, da

der Inhaber noch nicht über die erforderliche Lizenz verfügte.

 

 

Mittwoch, 08.05.2002           Von Gallup nach Grand Canyon Village, AZ

 

Nach wenigen Meilen werden wir an diesem Tag die Grenze zum Bundes-

staat Arizona überschreiten.

Für viele Route-Reisende sind die knapp 400 Meilen durch Arizona die au-

thentischsten der gesamten Strecke, darunter das längste ununterbrochene

Teilstück der „Mother Road“.

Wer Arizona nur mit kargen Steinlandschaften verbindet, wird spätestens ab

Flagstaff eines besseren belehrt. Ab hier säumen sattgrüne und duftende

Pinienwälder den Weg, die Region soll die sauberste und beste Luft der Welt

haben.

Ein kleines Problem hatten wir zwischenzeitlich mit der Uhrzeit. Neben der

Zeitverschiebung Europa / USA hatten wird die dritte Zeitzone in den USA

erreicht. Da es auch hier die Sommerzeit gibt, Arizona diese als einziger US-

Staat aber nicht eingeführt hat, war das Chaos für uns perfekt!

Der erste Höhepunkt dieses Reisetages war nach ca. 70 Meilen erreicht, der

„Petrified Forest National Park“.

Auf dem 35 Meilen langen Rundkurs erlebt der Besucher einen kleinen Aus-

flug in die Frühgeschichte Amerikas.

Der Petrified Forest (versteinerter Wald) entstand aus einer Laune der Natur

heraus. Vor 200 Millionen Jahren begann die Versteinerung eines Waldes.

Die versteinerten Bäume bieten heute einen faszinierenden Anblick.

Der anderer Teil des Parks „Painted Desert“ (gemalte Wüste) besteht aus

Sedimentgestein. Die Ausblicke ändern sich mit dem wechselnden Licht des

Tages und der Jahreszeiten. Sie sind nie gleich und wirken immer wie ein

Wunder.

Nach diesem einmaligen Erlebnis setzten wir unsere Fahrt durch eine wei-tere reizvolle Landschaft fort. Weite Flächen, dazwischen immer wieder Er-

hebungen und trockene Flussläufe wechselten sich ab.

Nach einer sehenswerten Fahrt durch die Berge und Täler des „Colorado

Plateau“ erreichten wir das „Red Rock Country“ und die Ortschaft Sedona.

Selten habe ich einen so reizvoll gelegenen Ort gesehen.

Sedona verbinde ich aber auch mit einem weiteren Erlebnis, das zunächst

ein Problem für mich war: An einer Schräge fiel mir kurz vor der Weiterfahrt die Harley um. Ich hatte zwar die Maschine sofort wieder aufgerichtet, die

„Karre“ wollte aber nicht anspringen. Plötzlich war die Gruppe hinter der

nächsten Kurve verschwunden. Auch nicht schlimm, dachte ich mir, da wir

uns während der Fahrt ständig im Rückspiegel beobachteten und beim Feh-

len eines Gruppenmitgliedes warteten. Zu allem Unglück fuhr in diesem Mo-

ment eine Frau mit einer Harley vorbei, mit schwarzer Bekleidung wie ich.

Nun sah ich meine Felle vollends schwimmen und ich stellte mich auf eine

Solofahrt bis Grand Canyon Village ein.

Aber ich hatte Glück! Nach ca. 4 Meilen hatte ich am Ortsausgang von Se-

dona die Gruppe wiedergefunden, allerdings nur, weil diese zunächst in die

falsche Richtung gefahren war.

Nun folgte das für mich schönste Teilstück auf unserer Reise: Vom esoteri-

schen Sedona windet sich die Straße durch den malerischen „Oak Creek Canyon“, bevor es dann steil und kurvenreich hinauf nach Flagstaff geht.

Diese Strecke hat Ähnlichkeit mit einer Fahrt durch das Okertal von Oker

bis zur Okertalsperre, allerdings sind die Dimensionen deutlich anders:

Die Berge sind höher, das Tal und der Fluss sind breiter, eine andere Vege-

tation mit einer einmaligen Farbepracht. Nur die Straße ist nicht breiter,

allerdings ist die Strecke länger, nämlich 27 Meilen.

Der optische Genuss dieser Landschaft wird flankiert durch den Duft von

Goldkiefern, Pinien und weiteren Pflanzen.

Auch das Motorradfahren machte durch den Canyon rauf nach Flagstaff

ganz besonderen Spaß, endlich einmal „richtiges“ Kurvenfahren.

Nach einer Tankpause in Flagstaff führte uns die Tour durch die Bergwäl-

der des „Kaibab National Forest“ . Auf der Hochebene in Richtung Valle

zwischen den Wäldern riesige Prärieflächen, ganz selten Gehöfte bzw.

kleine Siedlungen.

Das Best Western-Hotel „Grand Canyon Squire Inn“ erreichten wir so recht-

zeitig, dass wir nach einer kurzen Pause zu einem weiteren Höhepunkt, dem

Sonnenuntergang am Grand Canyon, aufbrechen konnten.

Wir wählten den „Hopi Point“ als Beobachtungspunkt für dieses Erlebnis.

Dort angekommen, waren wir überrascht über die vielen Menschen aus „aller Herren Länder“, die diese großartige Aussicht genießen wollten. Bei der

Abfahrt habe ich anhand der Busse die Anzahl errechnet: Es waren um die

500 Zusachauer).

Während des Sonnenuntergangs war zu beobachten, wie sich die Farben im

Canyon ständig änderten. Als die Sonne dann hinter den Bergen verschwand

„standing Ovations“ der Zuschauer.

Dem für mich schönsten Tag der Tour folgte zum Abschluß ein gutes Essen

im Steakhouse von Grand Canyon Village.   

Ich wählte als Vorspeise Rattle Snake (Klapperschlange) und anschließend

einen großen Mexikanischen Salat. Dazu zwei Bierchen und zum Abschluss

einen Tequilla. Gut das ich den getrunken hatte, da konnte mir die Rech-

nung nicht mehr auf den Magen schlagen: 45 Dollar!

Aber der Tag war es wert.

 

 

Donnerstag, 09.05.2002       Von Grand Canyon nach Kingman, AZ

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück vom Buffet im schönsten Hotel unserer

gesamten Tour folgte auch eines der schönsten Erlebnisse:

Der Flug über den Grand Canyon!

Schon am Vorabend gewannen wir einen kleinen Eindruck von diesem

Natur-Weltwunder. An der Kante der Großen Schlucht ergriff uns doch ein

Schaudern!

Um 08.00 Uhr starteten wir mit einer DeHavilland „Twin Otter“ zu unserem

55minütigen Rundflug. Was uns sehr entgegen kam, war die Möglichkeit, die

Erklärungen über den Grand Canyon auch in Deutsch zu hören (Kopfhörer),

so dass wir umfassend informiert wurden.

Die Erscheinungen der Natur übertrafen bei weitem meine Fähigkeiten, sie zu beschreiben, man kommt sich richtig hilflos vor. Es ist ein einmaliges

und unvergessliches Erlebnis!

Unsere Weiterfahrt verlief zunächst wieder durch die Bergwälder des „Kaibab

National Park“ und führte uns über Valle nach Williams, dem westlichen  „Tor zum Grand Canyon“ (von hier ist der Grand Canyon auch mit der

Eisenbahn, der „Grand Canyon Railway“ zu befahren).

In Williams legten wir einen Tankstop ein und entdeckten einen weiteren

„Route 66-Laden“. In unmittelbarer Nähe befand sich die Polizeidienststelle

von Williams, die Dirk, Dieter und ich zum Patches-Tausch aufsuchten. Der

„Chief“, ein Hüne von einem Mann, legte uns zunächst Patches aus verschie-

denen Bundesländern Deutschlands auf den Tisch, die wir ihm erst einmal zuordnen mussten. Das hatte ihn derart begeistert, dass jeder von uns zwei

verschiedene Patsches aus Williams bekam.

Den nächsten Halt machten wir in Seligman, der Heimatstadt des Gründers

der „Route 66 Association“, Angel Delgadillo. Der alte Herr begrüßte uns per-

sönlich vor seinem „Historic 66 General Store“, einer Mischung aus Friseur-

salon, Museum und Andenkenladen.

Die Landschaft hinter Seligman wurde dann wieder flacher, um uns herum

nur noch weite Prärie, wir befinden uns aber auf einer besonders schönen

und langen Schleife der ganz alten „Route 66“.

Am Ende einer 20 Meilen-Geraden hatten wir das vorletzte Etappenziel

Kingman erreicht.

Für den Abend  beschlossen wir, in der Hotelanlage zu bleiben, zumal um

den Swimmingpool herum Tische und Stühle standen und zu einem „Abend

am Pool“ einluden.

Zum Abendessen gab es leckere amerikanische Pizza und das inzwischen

liebgewonnene „Budweiser-Bier“.

An den Pool gesellte sich im Laufe des Abends eine vierköpfige Gruppe aus

Hannover, die ebenfalls eine Motorradtour durch Teile der USA machte,

allerdings nicht die „Route 66“.

Eines der Gruppenmitglieder trug am Pool eine Sporthose mit dem Aufdruck

„Hannover 96“, eine glatte Provokation für „Eintracht Braunschweid“-Fan

Dirk. Der knurrte nur „wenn der die Hose nicht bald auszieht, landet er

noch im Swimmingpool“.

Zum Glück zogen sich die Landeshauptstädter bald zurück, so dass Dirk

nicht zur Tat schreiten konnte!

 

 

 

 

 

Freitag, 10.05.2002              Von Kingman nach Barstow, CA

 

Das letzte Streckenstück von Arizona führt uns auf einer Serpentinenstraße durch die Berge.

Echte Roadies wählen die Fahrt über den „Sitgreaves Pass“, ein unbedingtes Muss. Hier sind Gebirgsfahrerqualitäten gefragt, aber Vorsicht: Schutzplan-

ken gibt es nicht! Noch eine Besonderheit: Ein Warnschild mit einem Esel

und dem Zusatz „Next 8 Miles“. Ringsherum unverkennbar ein Gelände, das

auf eine ehemalige Bergbauregion schließen lässt. Geröllhalden und ver- nagelte Mineneingängen sind bis zur nächsten Ortschaft Oatman, einer  alten Minenstadt, zu sehen.

Spätestens hier wird dem Reisenden das Warnschild klar: Esel versperren den Weg. Die „Burros“ waren zu der Zeit, als in und um Oatman noch inten-

sin Bergbau betrieben wurde, unverzichtbare Lasttiere. Die genügsamen

Tiere sind teilweise verwildert und haben sich dem Lebensraum angepasst.

Vom Futter, das ihnen die Touristen mitbringen, können sie hervorragend

leben.

Das heutige Oatman lebt ausschließlich vom Tourismus und so ist die Stadt

auch hergerichtet: Käme einem Django auf der Straße entgegen, würde das

nicht verwundern.

Auf der weiteren Fahrt links und rechts karges Land, ausgetrocknete Fluss-

und Bachläufe, dazwischen Sträucher und Kakteen.

Dies ändert sich, je näher wir dem Colorado River und der Grenze zu Kalifor- nien kommen. Die Vegetation wird üppiger, dann ein großer See mit Booten

aller Art.

Nach der Überquerung des Colorado River hatten wir Kalifornien erreicht und fuhren auf der Interstate Richtung Needles. Nach ca. drei Meilen die

nächste Überraschung: Ich fühlte mich zurückversetzt in die Zeit vor 1990,

Helmstedt-Marienborn! Mitten auf der Interstate eine Kontrollstelle: Anhal-

ten! Es folgte die Frage, ob Obst und Gemüse mitgeführt werden, die Ein-

fuhr nach Kalifornien ist nämlich verboten!

Nach wenigen Meilen haben wir Needles erreicht, der heißesten Stadt der

USA.

Mit dieser Stadt werde ich  für immer eine persönlich „heiße“ Erinnerung

haben. Das Tanken der Harleys übernahm wegen der gemeinsamen Be- zahlung immer das Team aus dem Begleitfahrzeug, bei diesem Stop war

ich in der Pflicht. Bei einer Außentemperatur von 42 Grad trug ich selbst-

verständlich eine kurze Hose. Beim Einführen des Tankstutzens plötz-

lich ein stechender Schmerz am linken Unterschenkel, ich hatte den

heißen Auspuff nicht berücksichtigt! Nunmehr habe ich eine bleibende

Erinnerung und weiß, in welcher Höhe der Auspuff einer Harley-David-

son „Roadking“ verläuft!

Nach einer kleinen Mittagspause stand uns ein weiterer interessanter

Streckenabschnitt bevor: Mehr als 100 Meilen durch die „Mojave-Desert“

bei Temperaturen bis 45 Grad und Helmzwang in Kalifornien!

Zum „Aufwärmen“ hatten wir uns erst einmal verfahren – 15 Meilen hin

und 15 Meilen zurück, ehe wir auf der Route waren.

Wer nun meinte, in der Wüste könne man nichts sehen oder erleben,

durfte sich eines besseren belehren lassen:

-          Chambless – Hier war der Mittelpunkt eines riesigen Wüstentrain-

ingslagers, in dem sich zwei Millionen US-Soldaten unter General

Patton im 2. Weltkrieg auf die Auseinandersetzungen mit General-

feldmarschall in Afrika vorbereiteten.

-          Bagdad, zumindest die Überreste – Die Ortschaft diente als Namens-

geber für den Spielfilm „Bagdad Cafe`“ (in Deutschland „Out of Rosen-

heim“) mit Marianne Sägebrecht und hat so eine gewisse Berühmtheit

erlangt.

-          Santa Fe Railroad – Fast immer parallel verlaufen neben der Route die

Gleise der berühmten Eisenbahn. Immer wieder waren die typisch lan-

gen Güterzüge mit z. T. sechs Lokomotiven und bis zu 150 Waggons

unsere Begleiter.

Während unserer bisherigen Fahrt mussten wir nie an einem Bahn-

übergang halten, dafür in der Wüste zweimal. Und das bei der Hitze

und der Länge der Züge!

Zwei weitere persönliche Erlebnisse prägten die Fahrt durch die Mojave-Wüste:

-          Während einer Rast nach ca. der Hälfte der Strecke trafen wir zwei

alte Roadies, beide leicht über 60. Sie kamen aus Alaska und waren seit drei Monaten unterwegs. Lebenskünstler: Wenn das Geld aufge-

braucht war, wurde gearbeitet. Reichte es wieder, ging die Fahrt wei-

     ter!

-          Ca. 30 Meilen vor dem Etappenziel Barstow fuhren wir in die Ausläu-

fer eines Sandsturmes, der deutlich erkennbar rechts von uns seinen

Weg zog.

Gut, dass ich mein „Buff“ um den Hals hatte. Diesen konnte ich über

Mund und Nase bis zur Sonnenbrille ziehen, so dass ich einen kleinen

Schutz hatte. Der Sand brennt wie Stecknadelstiche im Gesicht!

In den späten Nachmittagstunden erreichten wir Barstow, der wichtigsten

Station im Railroad-Netz der USA. Benannt wurde die Stadt 1886 nach dem

Chef der „Santa Fe Railroad Company“.

 

 

Sonnabend, 11.05.2002      Von Barstow nach Los Angeles

 

Der „Showdown“ ist angesagt, die letzten 260 km unserer langen Reise lie-

gen vor uns. Nach den fantastischen Eindrücken und Erlebnissen der zu-

rückliegenden Tage erfasst mich schon jetzt ein bisschen Wehmut.

Kurz bevor wir Barstow verließen, sahen wir die Gruppe der Norweger, mit

der wir vor neun Tagen gemeinsam in Berwyn starteten, im Vorbeifahren.

Ab Victorville war es dann mit der Beschaulichkeit der „Route 66“ vorbei.

Es ging durch die Berge runter nach L.A. Der Verkehr wurde ständig dichter,

die Dunstglocke über Los Angeles war schon von weitem zu sehen. Ab San

Bernadino, einem „Vorort“ von L.A., erweiteten sich die Fahrstreifen, von

drei auf vier und in L.A. auf fünf pro Richtung.

Los Angeles war erreicht, von der behauptet wird, sie sei eine „Wahnsinns-

stadt“, in der man Jahre gelebt haben kann, ohne sie je wirklich kennenge-

lernt zu haben“.

Für die einen ist L.A. nichts als ein Moloch, für die anderen buchstäblich

die „Stadt der Engel“.

Eine Stadt, über die man viel sagen und schreiben kann, oder auch nicht.

Weil es sich einfach erübrigt, denn fast jeder der Stadtteile ist eine bereits

eine Berühmtheit für sich!

Ich werde mich daher auf meine persönlichen Eindrücke beschränken.

Die aus den Bergen erkennbare Dunstglocke war in L.A. wie weggeblasen,

zumindest hatten wir den Eindruck.

Tolles Wetter, was eigentlich nicht verwunderlich ist; in L.A. scheint an 360

Tagen im Jahr die Sonne.

Beieindruckend die Skyline und die vielen übereinanderführenden Highway-

Brücken.

Um 10.30 Uhr in L.A. - Santa Monica -  war es dann soweit:

Santa Monica Boulevard, unter ein paar Palmen in einem kleinen Park, auf

einem Steinsockel eine Platte aus Kupfer auf der stand:

 

                                  > End of the Route 66 <

 

Nach den obligatorischen Erinnerungsfotos wurde es nun Zeit, unsere „Harleys“ abzugeben.

Im Stadtteil Westchester in unmittelbarer Nähe des „Los Angeles Interna-

tional Airport“ erfolgte in der dortigen Harley-Vertretung die Übergabe, nicht

ganz ohne Wehmut. Die Maschinen hatten uns 2790 Meilen = 4490 km auf

der legandären „Route 66“  ohne Schwierigkeiten quer durch die USA ge-

bracht. Wir waren von Verkehrsunfällen und sonstigen Unwägbarkeiten ver-

schont geblieben, alle waren gesund und munter.

Auf das kleine Problem mit Franks Harley in Elbow angesprochen, bekamen

wir von dem Vertretungsleiter die lapidare Antwort „it’s not a Bi-äm-dab-   belju“!

Nach der Übernahme unseres zweiten Leihwagens, einem Isuzu „Trooper“,

fuhren wir zurück nach Santa Monica, um in unserem Hotel, dem „Best Western Gateway Hotel“ die Zimmer zu beziehen.

Obwohl ich ziemlich abgespannt war, habe ich mich zu einem Lauf durch-

gerungen. Wenn ich schon in Santa Monica war, wollte ich wenigstens am

Strand der Pazifikküste einmal laufen.

Der Lauf - ich war 55 Minuten unterwegs - hat mir sehr gut getan. An der

Strandpromenade waren sehr viel Jogger, Inliner und Radfahrer auf den

unvorstellbarsten Vehikeln unterwegs.

Am späten Nachmittag erkundeten wir Santa Monica zu Fuß. Auffallend

waren am Santa Monica Boulevard die vielen Obdachlosen und Bettler, die

dort mit ihrer wenigen Habe den Tag verbrachten.

Der Santa Monica Pier ist eine Ausflugs- und Vergnügungsstätte mit den

entsprechenden Möglichkeiten, dazu viele Kleinkünstler aller Art – wie

überall auf der Welt.

Am Anfang der Fußgängerzone in der 3. Straße befindet sich der „Santa

Monica Palace“, ein Gebäude mit Markt- und Gastronomiegeschäften.

In der 2. und 3. Etage Luxusläden für alles, was das Herz begehrt.

Die sozialen Gegensätze in den USA werden nur wenige Schritte entfernt

in der Fußgängerzone deutlich: Hier wechseln sich Geschäfte, Speiselokale,

Szenekneipen und Luxusläden ab. Und an den Mülleimern sind die Obdach-

losen zu beobachten, die sich Essenreste und Kippen zusammensuchen, ja davon leben!

In der Fußgängerzone herrscht dichtes Gedränge. Musiker, Gaukler, Schau-

steller und Künstler aller Art bieten ein buntes Programm. Das gesamte Trei-

ben wird von einer starken polizeilichen Präsenz begleitet!

Am Abend haben wir uns draußen im Bereich des Hotels noch einige Zeit zusammengesetzt, mit einem Tequilla und ein paar Bierchen auf den glück-

lichen Ausgang unserer Motorradtour angestoßen.

 

 

Sonntag, 12.05.2002           Aufenthalt in L.A., Santa Monica

 

Dieser Tag sollte der Ruhe und Entspannung dienen, denn so ganz spurlos

gehen 4500 km auf dem Motorrad nicht an einem vorüber.

Nach einem typischen amerikanischen Frühstück im Frühstückslokal am

Hotel (Spiegelei, Schinken, Würstchen, Bratkartoffeln, Pfannkuchen mit Erd-

beeren und Sahne, dazu Orangensaft und viel Kaffee) stand der Tag zur freien Verfügung.

Mit Dirk bin ich nach Berverly Hills gefahren, um mit den Kollegen der dor-

tigen Dienststelle „Patches“ zu tauschen, was leider nicht klappte, da am Sonntag der zuständige Officer nicht anwesend war.

Im nebenan untergebrachten „Fire-Department“ stießen wir auf einen sehr

freundlichen Feuerwehrmann, der uns einiges über seinen Job und Berverly

Hills erzählte.

Bei einer anschließenden kleinen Rundfahrt durch diesen Stadtteil haben wir noch einige interessante Eindrücke gewonnen.

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Einkaufsbummel am Santa Mo-

nica Pier und in der Fußgängerzone. Nebenbei beobachteten wir die Szene

und die Menschen aus aller Welt.

Zum Abendessen fuhren wir mit dem Hotelbus in Richtung Fußgängerzone.

Bei einem Italiener gab es noch einmal ein leckeres Essen.

Den Rückweg zum Hotel bewältigten wir zu Fuß und in der inzwischen zu

unserem Stammplatz gewordenen Sitzecke an der frischen Luft gab es noch

ein „Schlummerbier“. 

 

 

Montag, 13.05.2002                 Rückreisetag

 

Unser Rückreisetag war angebrochen, wir mußten etwas früher aufstehen.

Bereits um 07.00 Uhr wurde gefrühstückt, zum Abschluß noch einmal das

typisch amerikanische „volle Programm“ wie am Vortag (daran kann man sich gewöhnen!).

Danach teilte sich die Gruppe: Einige wollten auf keinen Fall einen der Har- ley-Shops in L.A. verpassen, die anderen wollten einen bekannten „Outlets-

Center“ (Fabrikverkauf) in der Nähe von L.A. besuchen.

Die erste Station dieser Gruppe war allerdings das „Beverly Hills Police De-

partment“, um dort den „Patches“-Tauschversuch vor Vortag abzuschließen,

was zum Glück gelang.

Das anschließend besuchte „Outlets-Center“ war schon beeindruckend: Eine

Einkaufsstadt für sich, in Dimensionen, die vergleichbar sind mit den Ein-

kaufsmöglichkeiten der Innenstadt von Goslar.

Nachdem jeder sein „Schnäppchen“ gemacht hatte, fuhren wir zum Flugha- fen von L.A., wo in unmittelbarer Nähe die Leihwagen abgegeben wurden.

Mit dem Shuttle zur letzten Station unserer Reise: Dem „International Los

Angeles Airport“. Um 18.40 Uhr war unser Besuch in den USA beendet: Mit

einer Boeing 747-400 der „Air France“ starteten wir zum Heimflug über Paris

nach Hannover. Durch die Zeitverschiebung und mit dem 3stüngigen Auf-

enthalt auf dem Flughafen „Paris Charles de Gaule“ landeten wir am Diens-

tag, 14.05.2002, gegen 20.00 Uhr auf dem „Provinz-Flughafen“ Hannover-Langenhagen, wir waren zu dieser Zeit das einzige Flugzeug in Hannover,  

das abgefertigt wurde.

Mit meinem Eintreffen in Goslar-Hahndorf gegen 21.10 Uhr war das große

Abenteuer „Route 66“ auf dem Motorrad, einer Harley-Davidson, quer durch die USA beendet: 

 

 

 

American way of live

 

Unter dieser Überschrift möchte ich meine ganz persönlichen Erlebnisse und Eindrücke aus den USA festhalten, einfach das, was mir besonders auffiel.

Diese sind positiv, aber auch negativ; sie weichen jedoch alle deutlich von

meinen Erfahrungen, meinem Leben und Umfeld in Deutschland ab.

 

-         Verkehrsdisziplin: Die ist in den USA sehr hoch. Das mag sicher daran

liegen, dass Verstöße sofort und mit dem nötigen Nachdruck geahndet

werden.

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen werden von allen Verkehrsteilneh-

mern eingehalten. Es gibt kein Rasen und Drängeln und auch keine

Aggressionen.

Vorfahrtsregeln sind einfach und unkompliziert, es klappt trotzdem.

Während unserer gesamten Tour sahen wir nur einen Verkehrsunfall.

Ca. 100 Meilen vor Oklahoma-City lag ein Truck im Graben, der Fahrer

war offensichtlich übermüdet von der Fahrbahn abgekommen.

Selbst in den Großstädten und davor lief der Verkehrs, wenn auch zeit-

weise etwas zähfließend, aber immer ohne „Stopp and go“.

 

-         Eine „Motorraddichte“ wie bei uns in Deutschland war in den USA nicht

festzustellen. Was wir jedoch häufig sahen, waren Motorräder mit An-

hänger, besonders auf den Interstates.

Wohnwagen in den USA: „Pick Ups“ und darauf ein Sattelauflieger,

hinten mit Tandemachse. Dahinter z. T. noch ein Anhänger mit einem entsprechenden Freizeitgefährt (Boote aller Art, Motorräder, Pkw's).

Wohnmobile in den USA: Mittelklasse-Busse, viele mit Tandemachse.

Dahinter angehängt ein Pkw mit einer speziellen Schleppvorrichtung

(im Pkw saß kein Fahrer).

 

-         Bedenklich die überproportionale Anzahl von fetten (nicht einfach nur

dicken) Menschen, viele fett bis zur Schwerstbehinderung. Das fing schon

bei den Kindern an! Schlimm auch deshalb, weil es offensichtlich einfach

so hingenommen wird und wohl auch niemanden stört.

-         Was mich sehr berührte, waren die relativ vielen alten Menschen, die auf-

grund der sozialen (Unter-)Versorgung einfach gezwungen sind, weiterhin

einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Besonders fiel mir dieser Personen-

kreis bei „Wal Mart“ und in den Frühstückslokalen auf. Etliche dieser

„Alten“ waren sicher Mitte siebzig!

 

-         In den Innenstädten der Metropolen kein Schmutz und nicht ein Graffiti

(wie es in den Slums aussieht, kann ich nicht beurteilen).

Das Umweltbewusstsein „auf dem Land“ ist mit deutschen Maßstäben

nicht zu messen. Da gelten selbst in Südeuropa höhere Standards:

Autowracks an fast jedem Haus. Die etwas größeren Ortschaften verfügen

alle über einen „Autofriedhof“, um den sich jedoch niemand zu kümmern

scheint. Wir entdeckten 40 – 60 Jahre alte Autos, ein Eldorado für jeden

deutschen Oldtimerfan!

 

-         Zur Gastronomie: Der Dienstleistungssektor ist in den USAsehr ausge-

prägt. Viel und aufmerksames Personal, guter Service.

Für uns unfasbar, das viele Einweggeschirr für Speisen und Getränke,

normales Geschirr nur in den guten Lokalen.

Für mich als Nichtraucher ein äußerst positives Erlebnis: Die Speiselo-

kale sind im Prinzip „Nichtraucherzonen“, was sehr angenehm ist.

Auch in den Hotelzimmern herrschte striktes Rauchverbot!

Einmal bestellt und gezahlt, dann immer wieder nachgeschenkt bis zum

Abwinken: Wasser, Kaffee und Eistee!

Ein weiterer amerikanischer Tick: Die Eismaschine! Bevor in die für uns

großen Becher die Getränke gefüllt werden, kommt zunächst eine Un-

menge von Eis hinein. Vom Geschmack des eigentlichen Erfrischungsbe-

tränkes kann man m. E. Nichts mehr schmecken.

 

 

 

Resümee

 

Viele werden sich fragen, was treibt jemanden, an 10 Tagen 4500 Km quer

durch die USA zu fahren, noch dazu auf einem Motorrad.

Klar ist, dass viele Sehenswürdigkeiten – egal ob Bauwerke, Naturdenkmäler

oder Landschaften – nicht oder nur im Vorbeifahren besichtigt / gesichtet

werden konnten.

Es ist ganz einfach: Dieses Unternehmen war für mich das Ergebnis meines

„wie alles begann“, so simpel ist die Erklärung!

Zu den Belastungen:

Natürlich muss eine entsprechende Vorbereitung erfolgen, die Auseinander-

setzung beginnt deutlich vor der Reise. Man muss sich physisch und  psy- chisch auf eine hohe Belastung einstellen.

Hier gilt in besonderem Maße „der Weg ist das Ziel“.

Das Ergebnis ist ebenfalls ganz einfach zu beschreiben:

 

                        Ein unvergessliches Erlebnis!

 

Dies wurde hoffentlich in meinem Reisebericht deutlich!

 

 

     „Ich verreise nicht, um irgendwo anzukommen,

            ich verreise, um unterwegs zu sein.“

 

 

                                                                         Robert Louis Stevenson

 

 

 

 

Quellen:

 

Hans-Christian Kirsch      „Route 66“

Merian „Live“  -  USA Route 66